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Drei Grate um die Brecherspitze

Zwischen Schliersee und Spitzingsee liegt die bekannte und bei Wanderern beliebte Brecherspitz. Für Ausflügler, die dem Trubel des alpinen Massentourismus entfliehen wollen, scheint dies zunächst nicht der richtige Berg zu sein. Doch die Einschätzung täuscht. Zur Brecherspitze und ihren umliegenden Gipfelgraten führt eine Ansammlung von kaum genutzten Wanderwegen, die allerdings diesen Zustand ihrem Anspruch zu verdanken haben.

Der Spitzingsee vom Gipfel der Brecherspitze
Der Spitzingsee vom Gipfel der Brecherspitz

Vier Gründe für die Tour:

  • Eine Ansammlung von Grat- und Steigwegen mittleren Anspruches die uns in einem populären Wandergebiet abseits der Massen führen.

  • Das diese Wege dennoch in ihrer Schwierigkeit nie zu extrem werden und so einem breiteren Publikum offen sind als die üblichen unmarkierten Gratwege in den Alpen.

  • Die Möglichkeit, innerhalb einer Tour eine Vielzahl von Gipfel zu sammeln.

  • Die obere Firstalm kurz vor Ende unseres Weges, an der wir großartig einkehren können.



Die Tour

BVA Brecherspitze und drei Grate
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Von München aus geht es über die A8 bis zur Ausfahrt Miesbach. Von hier immer der Bundesstraße 307 bis nach Schliersee folgen, bis wir schlussendlich auf die Spitzingstraße einbiegen. Direkt am Sattel liegt ein kostenpflichtiger Parkplatz, der vielen Münchnern vor allem als Endpunkt einer Winterrodelbahn ein Begriff sein dürfte.


Von hier queren wir nun die Passstraße zum Beginn des Forstweges Richtung Obere Firstalm. Noch vor der Schranke auf selbiger Straße wenden wir uns aber nach rechts auf einen kleinen, nicht markierten, nicht beschilderten Trampelpfad. Diesem folgen wir nun bergauf. Anders als bei vielen unmarkierten Touren ist dieser Pfad traumhaft gut zu erkennen. Ähnlich zu vielen unmarkierten Touren erreicht der Pfad allerdings bald eine zum Wandern fast schon unangenehme Steilheit. Besagtes Steilstück hat jedoch einen recht kurzen Anteil an der Gesamtlänge des Aufstieges und ist somit gut zu verschmerzen. Los geht es, sobald wir unterhalb der ersten Felstürme des Grates eine kleine Bergwiese queren. Abgesehen von kurzen Ausnahmen verläuft der Weg aber in seinem Steilstück nie direkt auf dem Grat, was die Tour zumindest in Sachen Schwindelfreiheit ein wenig entspannter macht.

Aussicht auf den Spitzingsee vom Brecherspitz Ostgrat
Aussicht auf den Spitzingsee während des Aufstieges

Der Höhepunkt der technischen Schwierigkeiten erwartet uns etwa bei der Hälfte des Steilstückes, wenn wir einen der besagten Felswände hinaufkraxeln müssen, um weiter auf dem Pfad zu bleiben. Mit roter Farbe angemalte Pfeile weisen eine sehr einfache Route durch die Wand (UIAA I-), wer möchte, kann aber auch anspruchsvollere Varianten probieren (UIAA II). Direkt oberhalb lohnt es sich übrigens anzuhalten, da wir nun zum ersten Mal einen wirklich guten Ausblick auf den Spitzingsee genießen können. Das Steilstück geht anschließend noch weiter, bis wir uns zwischen niedrigen Latschen und blühenden Blumen in einer schon fast mediterran anmutenden Landschaft wiederfinden.

Brecherspitzgipfel vom Latschenmeer auf dem Ostgrat
Brecherspitzgipfel vom Latschenmeer auf dem Ostgrat

Der Weg wird hier deutlich flacher, verläuft nun aber wirklich auf dem Gipfelgrat - wenn auch so breit, dass wir uns selten direkt am Abgrund bewegen müssen. Gleichzeitig verlang die Oberflächenstruktur aus losem Kies, gemixt mit grobem Geröll, dass wir einiges an Trittsicherheit mitbringen. Auf diesem Weg geht es für uns nun bis zum Gipfel der Brecherspitz, wo wir zum ersten Mal einen wirklich schönen Ausblick auf den Schliersee genießen können. Denn bis zum Gipfelkreuz versteckt der sich noch immer hinter dem nördlichen Grat des Berges und ist maximal teilweise zu sehen.

Selbiger Nordgrat ist dann auch die Route, über die wir von der Brecherspitze absteigen. Immer mit Blick auf den Schliersee wandern wir jetzt auf einem recht ungewöhnlichen Weg bergab in Richtung Ankelalm. Verdient hat die Route die bennenung als ungewöhnlich durch mehrere Stark abfallende Abschnitte, in denen wir über nackte Steinplatten laufen. Selbst bei trockenem Wetter sind hier Schuhe mit rutschfesten Sohlen gefragt. Bei Regen allerdings dürfte jedoch auch das beste Schuhwerk nicht weiterhelfen, was für mich bedeutet, dass dieser Weg dann als Abstieg gemieden werden sollte. Was uns besagte Steinplatten an Schwierigkeiten dazu bringen, nehmen dafür breite Pfade und jede Menge Latschen vom Verlauf der Route auf einem Grat. Tatsächlich glaube ich diesen spezifischen Abschnitt auch solchen Wanderern empfehlen zu können, die Grate normalerweise meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Allerdings sollte man dann die Route eher als Aufstieg nutzen.

Der Abstieg auf dem Nordgrat der Brecherspitze
Der Abstieg auf dem Nordgrat

Für uns geht es aber weiter bergab, über eine Almwiese bis zur Ankelalm, wo wir nun dem normalen Forstweg ein Stück in Richtung Tal folgen. Allerdings wirklich nur kurz, denn in der ersten lang gezogenen Rechtskurve wollen wir die Forststraße schon wieder verlassen. Der links abgehend Steig zur Schlierseespitz ist von der Straße aus fast nicht als Weg zu erkennen. Erst am Waldessaum wird ein dünner Trampelpfad sichtbar. Dieser Weg war für mich persönlich der unangenehmste Abschnitt der Tour. Der Pfad ist an vielen Stellen gerade mal so breit wie ein Wanderschuh und oft nicht in den Hang eingeschnitten, sondern im selben Winkel abfallend wie der Berghang selbst. So werden hier einige Bereiche zum Balanceakt. Schöne Aussichten haben wir hier lediglich noch in Richtung Wendelstein, während alle anderen Richtungen durch nahe Bergrücken versteckt werden. Der technische Anspruch des Weges ist zu hoch, um entspanntes und gedankenloses Wandern zu erlauben, gleichzeitig aber zu niedrig, um das Gefühl von Nervenkitzel und Herausforderung aufkommen zu lassen. Das zumindest ist meine persönliche Wahrnehmung. Wer ein anderes Schwierigkeitsniveau gewohnt ist, wird diesen Abschnitt vermutlich vollkommen anderes wahrnehmen. Und wer Probleme mit Höhenangst hat, der sollte diesen Weg eher meiden, denn gerade durch die Enge des Pfades kann dieser durchaus zu einer Herausforderung werden, wenn buchstäblich bei jedem Schritt die Füße über den Abgrund bewegt werden müssen.

Das Gipfelkreuz der Dürnbachwand
Das Gipfelkreuz der Dürnbachwand

Auch wenn der Steig ein ganz schönes Auf und Ab für uns bereithält, in der Gesamttendenz geht es bis zu Schlierseespitz leicht bergab. Und von dieser dann noch einmal deutlich steiler bis zum Gipfelkreuz an der Dürnbachwand. Hier können wir gut pausieren und den Ausblick auf den Schliersee genießen, der jetzt nicht mehr ganz so tief unter uns liegt.


Besonders sportlichen Gipfelsammlern kann ich noch den Abstieg bis zur Ankelspitz empfehlen, wobei ich dieses Stück nicht jedem raten würde. Der Weg wird hier so steil, dass wir stellenweise die Hände nutzen müssen. Und natürlich müssen wir dasselbe Steilstück wieder bergauf. Belohnt werden wir für diese Mühen nur begrenzt, denn die Aussicht ist von Dürnbachwand und Ankelspitz fast gleich. Interessant macht den Abstieg dafür eine kleine Kuriosität der Wegführung: Auf dem Gipfel der Ankelspitz befinden wir uns gut 100 m.ü.m. niedriger als unser Startpunkt am Spitzingsattel. Somit können wir uns zumindest mit einem bei alpinen Touren sehr ungewöhnlichem Höhenprofil schmücken. Nämlich einem, wo der niedrigste Punkt nicht gleichzeitig der Startpunkt unserer Wanderung ist.

Das Gipfelkreuz der Ankelspitze
Und das Gipfelkreuz der Ankelspitz

Erkaufen müssen wir uns das aber mit einem sehr steilen Ab- und Aufstieg, die jedoch auch als gute Aufwärmübung für die folgende Gratüberschreitung genutzt werden kann. Diese ist für mich der anspruchsvollste Teil der Tour mit einigen Steilabschnitten und zwei kurzen Kraxelstellen (UIAA I+ / UIAA I), wobei die erste Stelle zusätzlich noch recht exponiert daherkommt. Auch der Grat ist jetzt stellenweise deutlich exponierter, mit Abgründen auf beiden Seiten. Allerdings sind diese Abschnitte immer kurz zwischen langen, beidseitig von Latschen gesäumten Stücken. Wer es bis zur Schlierseespitz geschafft hat, wird vermutlich auch mit diesem Grat zurechtkommen, unterschätzt werden darf jedoch nicht die Anstrengung der gesamten Tour. Die geht trotz scheinbar machbaren Hm / Km Werten ganz schön auf die Beine, da eine Vielzahl unangenehm steiler Stellen zu bewältigen ist. Hinzu kommt, dass wir für fast die ganze Tourdauer einer sengenden Sommersonne schutzlos ausgeliefert sind. Wohl dem, der genügend Sonnencreme und Wasser mit dabei hat.

Schlussendlich erreichen wir nun aber wieder die markierten und regulären Wege, die wir kurz nach der Ankelalm verlassen haben. Ab jetzt folgt ein nochmaliger Aufstieg bis zu Bergkapelle St. Leonhard, von der aus wir sogar noch den Tegernsee erblicken können. Ein Blick in die winzige Kapelle ist übrigens auch sehr lohnenswert. Nun gilt es noch ein kurzes Stück zu schaffen, bis wir den Brecherspitz Vorgipfel erreichen. Je nach Zählung ist dies der fünfte oder siebte Gipfel der Tour. Die Differenz rührt daher, dass wir zwischen Schlierseespitz und St. Leonhard zwei auf machen Karten markierte, aber namenlose Gipfel passieren. Ob man solche in die persönliche Statistik zählen darf, ist sicher eine Streitfrage, die hier nicht näher behandelt werden muss.

Kaiserschmarn an der Oberen Firstalm
Der Wohlverdiente Kaiserschmarn an der Oberen Firstalm

Nach der mühsamen Tour auf dem Vorgipfel angekommen wird dann aber auch der müdeste Wandersmann neue Kraft schöpfen, wenn er jetzt den ersten Blick auf die Obere Firstalm werfen kann. Bis dahin ist es nur ein kurzer Abstieg und an der Alm selbst können wir uns mit Kaiserschmarrn und kühlen Getränken für die überstandenen Mühen belohnen. Das letzte Stück bergab bis zum Spitzingsattel ist kaum noch der Rede wert, denn hier folgen wir einfach der Forststraße ins Tal, wo wir uns zu einer Erfolgreichen Tour beglückwünschen können.




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