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Das Van-Life Tagebuch Teil 1.: Probleme Und Lösungen

Aktualisiert: vor 3 Tagen


Gut einen Monat ist es jetzt her, dass ich mir mein erstes Auto gekauft habe. Und das ist gleich ein etwas ungewöhnliches Fahrzeug. Ein Ford Transit, umgebaut zu einem Campervan. Dieser Blog dient dazu die Erfahrungen des ersten Monats gesammelt zu Papier zu bringen. Und mit jedem weiteren Monat, den ich mit meinem Van verbringe, möchte ich wiederum eine kleine Sammlung abgeben. Diese Geschichten, die ich hier erzählen möchte, sind eher kurze Erzählungen aus dem Leben eines Van-Besitzers als eine komplette Tour durch mein Auto. Die kommt zu einem späteren Zeitpunkt und hoffentlich in Videoform. Doch für jetzt möchte ich ein paar kleinere Geschichten erzählen.

1.: Elektrik und eine durchgesägte Steckdose

Die Suche nach einem geeigneten Van für mein Umbauprojekt hat lange gedauert. Fast zwanzig verschiedene Autos sind in meine nähere Auswahl gekommen. Und entschieden habe ich mich dann ausgerechnet für das Auto, bei dem der Umbau schon vollzogen war. Das bedeutete nicht, dass es für mich nichts mehr zu tun gab. Der Umbau, von einer Privatperson selbst durchgeführt, war weit weg von dem, was man perfekt nennen würde. Und ich hatte genügend Änderungen, um mich beschäftigt zu halten.


Das Wichtigste für mich war die Elektrik. Um den Van für meine Zwecke tauglich zu machen, würde ich eine Steckdose, einen Camping-Stromanschluss und einen Kühlschrank benötigen. Einfacher gesagt als getan. Der Vorbesitzer hatte die Elektrik etwas amateurhaft eingebaut. Mit zwei Klemmen und ohne jede Sicherung wurde der Batterie-Strom direkt über eine lange Reihe verschiedenster Steckverbindungen zu den jeweiligen Verbrauchern geleitet. Den befreundeten Elektriker, welchen ich mit als Hilfe engagiert hatte, traf fast der Schlag. Wenn auch nur der sprichwörtliche. Er empfahl mir kurzerhand alles neu zu machen.


Und so trafen wir uns ein paar Tage später in einer befreundeten Autowerkstatt, um die Elektrik des Vans einmal komplett zu ersetzen. Der erste Schritt unserer Aktion: Ein Loch in mein Auto bohren und ein Stück Blech herausschneiden um Platz zu schaffen für den Camping-Stromanschluss. Schon die Schablone für die Öffnung stellte uns vor eine Herausforderung in Sachen Improvisation. Da wir mit Ankunft in der Werkstatt unser Werkzeug und Ersatzteile und alles andere in wenigen Minuten überall verteilt hatten, fanden sich einige Teile gleich zu Anfang nicht mehr. So auch die mitgelieferte Schablone für die Steckdose. Dass überhaupt so eine in der Verpackung gewesen war, realisierten wir erst nachmittags am zweiten Tag, als wir sie nämlich bei der Aufräumaktion zum Ende unserer Arbeit fanden. Doch eine Schablone aus Pappe herzustellen war nicht die einzige Herausforderung der ganzen Aktion. Auch das entsprechende Loch hatten wir schnell in den Van geschnitten. Vielleicht sogar zu schnell.


Während die Grundierung auf den Schnittkanten langsam trocknete, beschäftigen wir uns mit dem restlichen Kabelsalat. Erst am nächsten Tag würden wir die Speisesteckdose einbauen. Und dann bemerkten wir unseren Fehler. Hinter unserem Loch befand sich eine der Holzstützen, an denen das Bett befestigt war. Diese zu versetzen wäre nicht möglich gewesen, aber zum Glück fehlte nur etwa ein Zentimeter bis unsere Steckdose wie notwendig formschlüssig auf dem Blech des Autos aufliegen würde.

Nach etwas experimentieren konnten wir dann feststellen, dass unser Steckdosengehäuse aber zwei Zentimeter länger war, als es für den Stecker wirklich hätte sein müssen. Und so war die Lösung einfach und logisch. Mit einer Flex durchtrenne ich das Gehäuse und schliff die entsprechenden zwei Zentimeter aus dem Plastik ab. Anschließend klebten wir das Gehäuse mit jeder Menge Sikaflex zusammen und konnten es nun endlich erfolgreich anbringen.


2.: Vorhänge und ein Zimmermannstacker

Der Vorbesitzer meines Autos hatte eine interessante Technik für seine Vorhänge entwickelt. Schwere, grau Ikeavorhänge wurden mit starken Magneten ganz schlicht und einfach an den metallenen Rahmen der Fenster angebracht. Eine extrem einfache und sehr unkomplizierte Lösung. In der Zeit meines Lebens, in der ich auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hatte, hörte ich öfter einen Spruch von den Maschinisten, der hier passend ist: "Nicht schön, aber selten."

Nun, ich will den Vorbesitzer aber nicht schlechter darstellen, als er ist, denn auch meine Lösung war eher eine Rarität als wirklich schön. Doch zuerst zu meinem Problem: Das Öffnen der Vorhänge dauerte mir schlicht und einfach zu lange, weil ich immer jeden Magneten einzeln entfernen musste. Insbesondere betraf das die Vorhänge am Heck, die ich zwecks der Benutzung eines Rückspiegels doch auch mal häufiger öffnen wollte. Die Lösung war einfach. Ich würde die Vorhänge schlicht und einfach deutlich niedriger befestigen, an Magnethaken hängen, statt direkt sie mit Magneten zu am Blech des Autos festzuhalten und kann den Stoff jetzt problemlos zur Seite schieben.



Die Vorhänge wurden mit einem Zimmermannstacker und ein paar Holzstücken auf die entsprechende Länge zusammengetackert
Vorhänge à la Niklas

Doch das hat wiederum zu einem neuen Problem geführt: Die Vorhänge waren jetzt deutlich zu lang. Damit liefen sie Gefahr, bei jedem Schließen der Türen in der Dichtung hängen zu bleiben und somit Wasser ins innere des Fahrzeuges zu ziehen. Eine Lösung musste her und das am besten schnell. Ich kann den Kofferraum meines Fahrzeugs nach Schließen der Hecktüren nicht einsehen. Somit konnte ich schon beim ersten Abstellen des Autos nach meinem Werkstattbesuch Gefahr laufen, auf genau dieses Problem zu treffen. Ich konnte ja nicht kontrollieren, dass im Kofferraum kein Stück des Vorhanges in der Dichtung gelandet war. Gleichzeitig wollte ich nicht auf die Vorhänge verzichten, die dem Auto ja ein wenig mehr Unscheinbarkeit verleihen. Ein ebenso wichtiges Kriterium, wenn das Auto für mehrere Wochen auf einem unbewachten öffentlichen Parkplatz stehen soll.


Mein Blick wanderte also durch die Werkstatt, auf der Suche nach der erstmöglichen Lösung. Und die bot sich in Form eines elektronischen Zimmermannstackers und ein paar Holzresten an. Die Vorhänge wurden von mir auf halbe Breite und 1/3 länge gefaltet und dann habe ich kleine Holzreste hinter die Überlappungen des Stoffes gelegt. Drei Tackereinsätze später und die Vorhänge waren in den von mir gewünschten Dimensionen zugerichtet. Eben nicht besonders schön, aber dafür ganz schön einzigartig.


3.: Eine Dachbox und ein Spanngurt

Am Tag nach meinem Werkstattbesuch hatte ich zusammen mit meinem kleinen Bruder einen Dachträger auf meinem Auto installiert. Mit zu der Trägerkonstruktion gehörte auch eine Dachbox, in der meine Skiausrüstung gelagert ist. Soweit so gut, zumindest für den Anfang. Denn als ich wenige Tage später meinen Van das erste Mal richtig ausfuhr und es mit Clemens zum Kajakfahren an die Loisch ging, stellte ich meinen Fehler fest.

Mithilfe des Spanngurtes konnte ich die Dachbox auch ohne helfende Hand umsetzen
Ein Spanngurt kann einen helfenden Freund ersetzen.

Die Box war zu weit mittig auf meinem Dachträger befestigt, um das Laden von mehr als zwei Kajaks zu erlauben. Ein Fehler, den ich aufgrund der eisigen Temperaturen erst einige Zeit später berichtigen wollte. Als ich aber am entsprechenden Tag bereit war, konnte mir beim Umsetzen der Box niemand helfen und ich stand vor einem Problem: Wenn ich die Klammern festhielt, würde ich nicht an die Schrauben zum Anziehen der Klammern kommen. Wenn aber die Schrauben in meiner Reichweite wären und ich entsprechend auf dem Dach, würden die Klammern einfach nach unten aus der Box herausfallen, da ich diese nicht festhalten konnte.

Zum Glück war die Lösung schnell gefunden. Mit einem Spanngurt konnte ich die Klammern am Dachträger selbst sichern, die Muttern leicht aufschrauben und danach den Spanngurt entfernen. Jetzt galt es nur noch die Muttern festzuziehen und das nächste Problem war gelöst.


4.: Ein Türgriff und eine widerspenstige Mutter

Aus besagtem Kajakausflug zur Loisach ging noch ein weiteres Problem hervor. Und zwar lies sich mit einem Mal die Schiebetür meines Vans nicht mehr mit dem äußeren Türgriff öffnen. Am entsprechenden Abend war es schon kalt, spät und dunkel und wir konnten das Problem nicht lösen. Stattdessen setzte ich mich zwei Tage später nach ausführlichem Studium eines Ford Transit Onlineforums ins Auto.


Schon das Entfernen der Türverkleidung war keine leichte Aufgabe, weil ich aufgrund der Schränke nicht alle Befestigungspins gut erreichen konnte. Nach dem Abnehmen der Verkleidung konnte ich aber den Fehler schnell finden. Und um den zu beheben, musste ich nun lediglich einmal den gesamten Türgriff aus- und wieder einbauen.


Auch das ging problemlos von der Hand, bis ich zur letzten Mutter kam, mit welcher der Griff schlussendlich in der Tür befestigt war. Die setzte ich schon einmal mit einer halben Umdrehung auf das Gewinde und rückte den Türgriff dann noch final zurecht. Und genau da passierte mir ein kleines Unglück. Die Mutter löste sich vom Gewinde und fiel in den Türzwischenraum. Nachdem ich eine Weile mithilfe verschiedener Magneten gefischt hatte, musste ich schließlich aufgeben und eine neue Mutter zum Befestigen verwenden. Und auch wenn es nicht vollkommen erfolgreich war, war es doch die erste Reparatur, die ich selbst an meinem ersten eigenen Auto durchgeführt habe. Und das muss ja irgendetwas bedeuten.

Der schwarze Plastikriegel müsste vor der Metalplatte liegen, nicht dahinter. Dieses Problem muss behoben werden, während wir am Van arbeiten
Der schwarze Plastikriegel müsste vor der Metalplatte liegen, nicht dahinter

Soweit zu meiner ersten Ausgabe des Vanlife-Tagebuches. Wenn euch diese kleinen Erzählungen gefallen haben, dann folgt gerne Adventtur.net auf Facebook oder meldet euch ganz altmodisch für den Newsletter unserer Website an. Neue Ausgaben wird es etwa ein Mal pro Monat geben.


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