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Der Brünnstein - Ein Einsteigerfreundlicher Klettersteig

Aktualisiert: Mai 25

Der Brünnstein ist für mich einer der Klassiker im Inntal, auch wenn er wegen der nahegelegenen und gut erschlossenen Gebiete von Samerberg und Wendelstein oft übersehen wird. Hier versteckt sich jedoch ein hervorragend abgesicherter Wanderweg, vielmehr Steig, der sich großartig als Anfängertour für frisch gestartete Klettersteiggeher anbietet.

Der Dr. Julius Mayer Weg kurz vor dem Gipfel des Brünnstein
Der Dr. Julius Mayer Weg kurz vor dem Gipfel des Brünnstein

Vier Gründe für die Tour

  • Ein gut gesicherter Wanderweg, der es unerfahrenen Klettersteiggehern ermöglicht, sich an solche Steige heranzutasten.

  • Die Almidylle um Buchau, die auch so einen Besuch wert ist.

  • Eine große Auswahl verschiedener Gasthäuser und bewirtschafteter Berghütten, an denen man unterwegs einkehren kann.

  • Die Möglichkeit vom Brünnstein aus die alpin-anspruchsvolle Gratüberschreitung zu den Peter- und Paulköpfen dranzuhängen.


Die Tour

BVA Bruennstein und Gipfelgrat
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Von München kommen verlassen wir die A93 an der Ausfahrt Oberaudorf. Richtung Norden ins Dorf hinein biegen wir dann links auf die "Bad Trißel Straße" ab. An deren Ende wiederum zeigt uns ein kleiner Wegweiser die Route auf die ebenso kleine Bergstraße nach Buchau. Zwei Möglichkeiten gibt es zum Parken entweder etwas unterhalb des Gehöftes auf dem Parkplatz des Alpenvereines oder auf einem kostenpflichtigen Stellplatz (2€) direkt am Ort.

Zum Start der Tour durchqueren wir zunächst das Gehöft Buchau, wo wir auch schon am Berggasthof die Speisekarte studieren können. So können wir zumindest einen Motivator machen, der uns durch den langen Abstieg helfen kann. Gleich nach den Höfen geht es links und ab jetzt immer den gut und zahlreich platzierten Schildern zum Brünnsteinhaus nach. Der Weg beginnt zunächst als breiter Schotterweg, der uns an Almwiesen und Kuhherden vorbei zum Waldessaum, um ab hier dem Brünntal bergauf zu folgen.

Aussicht auf Buchau und das Inntal dahinter
Aussicht auf Buchau und das Inntal dahinter

Noch gute hundert Höhenmeter müssen wir auf einer recht steilen Forststraße zurücklegen, bevor wir endlich bei den ersten richtigen Wanderwegen angekommen sind. Auch die führen stark ansteigend den Hang hinauf und bieten leider keinerlei Ausblicke oder landschaftliche Highlights, was wiederum den Aufstieg trotz seiner kürze zu einer etwas zähen Angelegenheit werden lässt. Einziger Höhepunkt ist das Passieren der Fritzenwand an ihrem Wandfuß. Diese Steilklippe erhebt sich zugegebener maßen sehr eindrucksvoll über unseren Wanderweg und gibt so zumindest einen Grund für einen kleinen Fotostopp. Zum Glück ist dieser Teil aber schnell vorbei und wir erreichen das Brünnsteinhaus auf 1342 m. ü. m.

Hier lohnt es, eine Pause einzulegen und schon einmal den Ausblick von der Terrasse zu genießen. Gerade wenn man früh am Morgen da ist, bietet sich hier ein wunderbar erleuchtetes Panorama in Richtung des österreichischen Ortes Kufstein. Hier können wir auch noch einmal ein wenig Kraft tanken, wobei wir uns die Jause an der Hütte besser für unseren Abstieg aufheben - denn egal welchen Weg wir bergab wählen, hier kommen wir auf jeden Fall wieder vorbei.

Die Terasse des Brünnsteinhauses
Die Terasse des Brünnsteinhauses

Von nun an beginnt das Highlight unserer Tour, der Aufstieg zum Brünnstein über den Dr. Julius Mayer Weg. Diese Route wird oft als Klettersteig beschrieben und kann vielleicht mit viel gutem Willen in die Kategorie A einordnet werden. In meiner persönlichen Wahrnehmung handelt es sich hier aber eher um einen Wanderweg mit Drahtseil als ein Klettersteig, da nämlich ein zentrales Element abwesend ist: das Klettern.


Ein bis zweimal müssen wir im Verlaufe des Aufstieges die Hände zu Hilfe nehmen, um kurze Kraxelpassagen zu überwinden. Und absolut sichere Alpinisten könnten auch diese ohne Zuhilfenahme der Hände gehen. Dementsprechend halte ich ein Klettersteigset hier für schon etwas übertrieben, allerdings kann ich die Nutzung eines Helmes empfehlen. Da auf dem Weg manchmal recht viel los ist, kann es auch zu unerwartetem Steinschlag kommen.

Die als Geländer gut dienlichen Drahtseile sowie die Metalltreppen, die jede nur annähernd steile Stelle überbrücken, sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns auf einer Route mit alpinen Herausforderungen befinden. Immer wieder geht es nahe am Abgrund vorbei und einmal sogar über einen kurzen Grat. Somit ist die Route nicht für Wanderer mit Höhenangst zu empfehlen. Es könnte aber sein, dass in diesem Fall die Anwendung eines Klettersteigsets die Tour für einige Menschen zugänglich machen würde, die sonst vielleicht schon überfordert wären.

Das Gipfelkreuz des Brünnsteins und der Grat zu Peter- und Paulkopf

Das Erlebnis einiger spektakulärer Einzelstellen rechtfertigt auf jedenfalls den Versuch. Auf dem Weg nach oben erwartet uns der stieg durch eine schmale Felsspalte, ein angenehm breiter Wanderweg direkt an einem beeindruckenden Abgrund und natürlich der Ausblick vom Gipfel selbst. Oben angekommen können wir eine kurze Pause machen, oder wenn noch nicht genug gefordert die Gratüberschreitung zu den Peter- und Paulköpfen dranhängen. Dies ist ein Hochalpines unterfangen auf einem nicht markierten Gipfelgrat, dass neben (ungesicherter) leichter Kletterstellen auch absolute Nervenstärke und Trittsicherheit verlangt. Auf den beiden Berggipfeln eröffnen sich noch einmal ganz neue Ausblicke. Zurück muss es aber über denselben Grat bis zum Brünnstein gehen, wo wir über den regulären Weg bergab zum Brünnsteinhaus wandern. Vor dem Abstieg über den ehemaligen Brünstein-Nordanstieg, der auf manchen Webseiten empfohlen wird, kann ich hier nur ausdrücklich warnen. Dieser Weg führt in ein Wald & Wild Schutzgebiet und damit im schlimmsten Fall zu einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das bayrische Naturschutzgesetz.

Eine kleine Steinpyramide markiert den Gipfel des Paulkopfes

Wir nutzen also den gut ausgebauten und legalen Steig, um zurück zum Brünnsteinhaus zu gelangen, von wo aus wir uns jetzt auf dem sogenannten Bankerl-Steig weiter ins Tal machen. Namensgebend ist hier vermutlich die kleine Metallbrücke, auf der wir an eine Wand gelehnt eine kurze Steilpassage überqueren. Letztendlich führt uns dieser Weg zu einer teilweise asphaltierten Fahrstraße, der wir jetzt wiederum bis ins Tal folgen können. Der Abstieg auf dieser ist zwar wieder etwas lang und highlightfrei, jedoch lohnt es sich, den Bankerl-Steig mitzunehmen, um mehr Varianz in eine Tour zu bringen, auf der wir uns sowieso schon viel auf gleichen Pfaden hin und zurück bewegen.


Und am Ende des Abstieges erwartet uns noch mal die Almidylle von Buchau, jetzt aus einer neuen Perspektive. Und natürlich erwartet uns auch eine zünftige Brotzeit im Berggasthof, bevor wir den Heimweg antreten.



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