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Einen Tag in: La Spezia - Wanderung Durch Die Cinque Terre

Aktualisiert: Mai 25



Wenn man eine Kreuzfahrt in Italien macht, wird man bei vielen an einem sehr bekannten Hafen anlegen: La Spezia. Dieser Hafen eröffnet seinen Gästen die Möglichkeit, schnell und einfach zwei der bekanntesten italienischen Städte zu besuchen. Die Rede ist selbstverständlich von Florenz und Pisa. Doch abseits der bekannten Touristenpfade befinden sich einige kleine Dörfer, die in den letzten Jahren an Berühmtheit gewonnen haben. Sie sind ein erstklassiges Reiseziel, wenn man ein Stück des ursprünglichen einheimischen Lebens entdecken möchte. Die Cinque Terre sind fünf kleine Dörfer, die an der steilen und felsigen Küste der italienischen Region Ligurien liegen. Ihr habt sie höchstwahrscheinlich schon in zahlreichen Filmen, Gemälden oder auf Postkarten gesehen und euch vorgestellt, die diese kleinen, bezaubernden Dörfchen etwas abseits der touristischen Pfade gelegen sind. Doch falsch gedacht! Die Cinque Terre befinden sich nicht einmal zehn Kilometer von einem der wichtigsten Kreuzfahrthäfen Italiens.

Wie man dorthin kommt:

Es gibt drei Möglichkeiten, einen Ausflug nach Cinque Terre zu machen, wobei ich euch von zwei direkt abraten würde: Zum einen bietet euer Kreuzfahrtschiff mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Ausflug dorthin an und zum anderen könnt ihr euch auch ohne Probleme einen Mietwagen oder eine Miet-Vespa nehmen, falls ihr es typisch italienisch haben wollt. Der Nachteil daran ist allerdings leicht erklärt, man kommt nicht wirklich nah an die Städte heran. Seitdem die Cinque Terre von einem großen Touristenansturm überrannt wurden, ist es nur noch Anwohnern gestattet, motorisierte Verkehrsmittel innerhalb der Dörfer zu nutzen. Alle anderen müssen sozusagen vor dem Ortsschild parken und zu Fuß die Stadt betreten. Hier kann ich euch aber beruhigen, der Fußweg in die Stadtzentren ist wirklich auch für Menschen geeignet, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Jedoch gibt es mancherorts einige steile Anstiege.


Nun ist man auf einem Kreuzfahrtausflug, man hat ein vorgeschriebenes Programm, das man abarbeitet, und die meisten Touren, die ich bisher gesehen habe, bevorzugen die größere der fünf (Was meinst du?), die durch ihre Popularität auch die überfüllteste ist. Und wie gut kann man die italienische Lebensart kennenlernen und genießen, wenn man sich an einen straffen Zeitplan zu halten hat?


Kommen wir nun zu meiner liebsten Methode: Der Bahnhof von La Spezia ist nur etwa 30 Minuten vom Hafen entfernt. Ein One-Way-Ticket bekommt ihr schon für 4€, allerdings würde ich euch empfehlen, die Cinque Terre Card für 16€ zu holen. Mit dieser Karte könnt ihr zwischen den Dörfern hin und herpendeln, sooft ihr wollt. Zudem ist hier auch die Nutzung der Wanderwege im Nationalpark mit inklusive. Ihr könnt somit also entscheiden, ob ihr in jedem Ort anhalten und die schmalen Straßen und Gassen erkunden wollt. Oder ob ihr wie ich die Wege zwischen den Dörfern abwandern wollt.

Wanderung von Manarola nach Vernazza:

Es war noch früh am Morgen, als ich vom Hafen aus startete. Während des kurzen Transfers von unserem Liegeplatz in die Stadt kaufte ich mir schon einmal meine Cinque Terre Card online. Auch wenn es mich einige Mühen und Versuche kostete, da die Webseite nur auf Italienisch verfügbar war. Im Zug selber nützte mein Handy mir herzlich wenig, da durch so viele Tunnel gefahren wurde, dass man sich fast wie in einer U-Bahn vorkam. Und ganz wie bei einer alten U-Bahn gab es in den Tunneln keinen Empfang. Als ich in Manarola ankam, wurde mir klar, wie früh ich losgegangen war.

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Alles lag noch im Schatten der Berge des Nationalparks Cinque Terre und erlaubte mir somit einige Fotos zu machen, auf denen die Landschaft in weiches Morgenlicht getaucht war. Nach diesem kurzen Fotostopp begann ich meinen Aufstieg in Richtung Corniglia. Obwohl beide Städte auf Meereshöhe liegen, müssen zwischen ihnen etwa fünfhundert Höhenmeter überwunden werden. Es gibt zwar einen leichteren Pfad in Küstennähe, der allerdings ziemlich verfallen und mit großen Warnschildern abgesperrt wurde. Diese sind durchaus notwendig, denn vom Zaun aus kann man Teile des Weges sehen, wo der tragende Fels eingebrochen ist und nichts als eine senkrechte Klippe hinunter zu den Ufern darunter übrig gelassen hat, wo das azurblaue Wasser mit unerbittlicher Kraft in ein Wirrwarr aus metallischen Leitplanken und Steinen stürzt.


Der Aufstieg ist recht anstrengen, die Stufen sind höher als von mir gewohnt, an manch einer Stelle so steil wie eine Leiter und teilweise nur schmal wie der Fuß, der sie betritt. Trotzdem sind die Steine gleichermaßen von Touristen und Einheimischen gut abgenutzt und stellenweise sogar bei trockenem Wetter sehr rutschig. Und obwohl der Pfad deutlich ausgeschildert ist, habe ich es dennoch geschafft, in einem dieser Weinberge falsch abzubiegen. Glücklicherweise waren die Bauern, die ich traf, sehr freundlich. Aber ihre Reaktion bestätigte mir, dass ich zumindest nicht der erste Tourist war, der hier vom rechten Weg abgekommen ist.


Sie zeigten mir den Rückweg, und ich ging weiter. Der Weg wurde etwas flacher und schmaler. Man läuft durch Felder und Weinberge ohne Leitplanken, den Berg zur Rechten und einen Abstieg von mehr als dreihundert Metern zum Meer, zur Linken. Ich traf auf meinem Weg einige Touristen, die bereits an ihre Grenzen gestoßen waren, obwohl dieser Pfad im Vergleich zu alpinen Standards noch überschaubar war. Eine Frau in Flip-Flops klammerte sich verzweifelt an die Pflanzen am Berghang. Falls ihr es noch nicht wusstet, aber das Wandern in Flip-Flops zieht eine Strafe von 200€ nach sich, mal ganz abgesehen davon, wie gefährlich es auch werden kann.


Nach diesem steilen Aufstieg führte ein ebenso abschüssiger Abstieg hinunter nach Corniglia. Der Weg von dort aus nach Vernazza war deutlich bequemer und für Laien besser geeignet, das habe ich sofort an den ganzen Menschen bemerkt. Gegen Mittag erreichte ich Vernazza und hatte genug Zeit, um Olivenöl, Wein und Pasta als Geschenk für meine Mutter zu kaufen, danach gönnte ich mir eine italienische Focaccia sowie ein Eis als Nachtisch. Mein Zug zurückging um 12:30 Uhr und als ich am Schiff ankam, blieb mir mehr als die Hälfte des Tages zur freien Verfügung, den ich in einem leeren Spa genoss. Und das, während alle anderen noch damit beschäftigt waren, durch die überfüllten Straßen von Pisa zu laufen und sich daran versuchten, ein Foto zu schießen, das so aussah, als würden sie den schiefen Turm hochhalten.

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