Suche

Ein Tag In: Stockholm - Die Wanderung Durch Den Tyresta Nationalpark

Aktualisiert: Mai 25



Wenn ihr jemals plant, das Baltikum zu besuchen, dann sollten zwei Städte ganz oben auf eurer Liste stehen: die schwedische Hauptstadt Stockholm und ihr finnisches Pendant Helsinki. Beide haben viel zu bieten, was Urlaubsaktivitäten angeht. Sei es ein Besuch in Stockholms Vasa-Museum oder ein Konzert in der "Felsenkirche" von Helsinki. Und tatsächlich könnt ihr dank mehrerer täglicher Fährverbindungen auch zwischen den beiden Städten pendeln. Man könnte fliegen, nur wäre das bei Weitem nicht so schön wie die malerische Fahrt durch die Stockholmer Schären.


Und von den Schären gehen wir auch direkt zu dem, über, was bei jedem Besuch ein absolutes Muss sein sollte: die unglaubliche Natur Skandinaviens. Witzigerweise gibt es in beiden Hauptstädten sehr ähnliche Möglichkeiten dafür. In Schweden befindet sich der Tyresta-Nationalpark und in Finnland den Nuuksio-Nationalpark, beide sind etwa vierzig Minuten mit dem Auto vom Zentrum der Städte entfernt. Heute werde ich nur von dem schwedischen Nationalpark Tyresta erzählen, da ich ihn etwas spektakulärer fand als das finnische Pendant. Aber vielleicht behandel ich Nuuksio in einem späteren Eintrag.

Ein Pausenplatz an einem der Seen

Auf die Wanderung durch Tyresta bin ich gekommen, als ich auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet und wir jede Woche wieder in Stockholm angelegt hatten. Ich habe zwei Jahre lang in Nordschweden gearbeitet, bevor ich auf einem Schiff anfing und verliebte mich daher sofort wieder in dieses wunderschöne Land. Als ich die ersten Schritte in den Tyresta-Nationalpark setzte, überkam mich eine Ahnung als würde ich nach langer Abwesenheit nach Hause kommen. Und allein dieses Gefühl wird diese Tour für mich immer unvergesslich machen.

STO Wanderung durch den Tyresta
.gpx
Download GPX • 483KB

Tyresta ist sehr viel ländlicher als sein finnisches Pendant und hat ausschließlich atemberaubende Natur zu bieten, die man am besten mit einer Wanderung erkunden kann. Beachten muss man jedoch, das es hier im Gegensatz zum Rest von Schweden nicht überall erlaubt ist zu campen oder ein Lagerfeuer entzünden. Hierfür gibt es ausgeschriebene Bereiche. Außerdem befinden sich im gesamten Nationalpark drei schöne Seen, die bei passendem Wetter auch zum Baden einladen; einer davon ist der "Stensjön", was übersetzt "steiniger Teich" bedeutet. Den Namen verdankt er seinen Ufern, denn ein großer Teil der Strände besteht aus riesigen Granitplatten, die nur spärlich mit Kiefern bewachsen sind, deren Wurzeln sich verzweifelt an jede Felsspalte klammern.


Um dort allerdings hinzugelangen, müssen eben jene Steinplatten überquert werden, was unsere Wanderung ziemlich spektakulär werden lässt. Zwar erlaubt die Landschaft es uns nicht, den Blick weit in Ferne schweifen zu lassen, aber das, was man sieht, reicht aus, um einen in seinen Bann zu reißen. Man wandert über nackte Granitplatten von der Größe ganzer Kathedralen durch unberührte Wälder und ab und an trägt ein langer Steg einen über sumpfiges Gelände. Der Weg ist immer gut markiert, scheint aber nur spärlich genutzt zu werden, denn an manchen Stellen wachsen die Bäume und Büsche auf beiden Seiten so dicht zusammen, dass man das Gefühl hat, durch einen Tunnel zu gehen. Für den Alltagswanderer sind hier mehrere andere Dinge von Interesse. Gleich zu Beginn hat man die Möglichkeit, einen Bauernhof zu besichtigen, der direkt aus einem Buch von Astrid Lindgren stammen könnte, und ein einfach gehaltenes Informationszentrum vermittelt etwas Hintergrundwissen zur Natur.

Die Natur hier in Tyresta ist nach Angaben des Informationszentrums eines der Wunder von Schweden und sie hatte nach der letzten Eiszeit keine Chance, diese riesigen Felsen zu zerkleinern. In wenigen Zehntausend Jahren wird das alles allerdings spurlos verschwunden sein, da sich die Erde langsam über den Steinen ansammelt. Nur einige grüne Hügel mit ein paar Seen dazwischen werden einmal von diesem Ort zurückbleiben. Die Landschaft von Tyresta ist nicht ungewöhnlich für Schweden, aber so nah an der Stadt Stockholm ist sie wahrlich einzigartig.


Wie schnell man hier vorankommt, ist immer abhängig von der eigenen körperlichen Fitness. Die vielen kleinen Hügel summieren sich zu reichlich Auf- und Abstieg und das Wandern auf dem nackten Granit ist nicht das Bequemste. Der Boden ist steinhart und heizt sich an sonnigen Tagen erheblich auf. Zusammen mit der Sonne, die gnadenlos von oben auf uns niederbrennt, wird es hier also für Schweden ungewöhnlich warm. Die hölzernen Stege über die Sümpfe sind schmal, ohne Geländer und nicht allzu gut gewartet. Einige sind sehr wackelig, bei anderen fehlen Teile der Planken, sodass man gezwungen ist, vorsichtig über die intakten Teile zu balancieren. Gerade auf einem der wackeligen entdeckte ich eine weitere Gefahr, die ich in all meinen Jahren in der schwedischen Wildnis nie vermutet hätte. Ein Wespenschwarm hatte sein Nest unter einer der Bohlen gebaut. Und eben diese Wespen wurden durch die ganze Bewegung, die mit unserer Wanderung über diesen Steg einher kam, aufgeschreckt. Man kann sich ganz gut vorstellen, wie schnell ich den Rest der Brücke überquert habe, obwohl ich mir Sorgen um die Stabilität machte. Alles in allem ist es jedoch eine atemberaubende Wanderung durch die Wildnis und etwas, das man nicht verpassen sollte.


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
IMG_20200712_113852.jpg
IMG-20201210-WA0013.jpg