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Heldenkreuz zum Osterfeuerkopf - Ein Hochalpiner Gipfelgrat im Vorgebirge

Aktualisiert: Mai 2

Wer mit wachen Augen und dem Ziel, etwas Neues zu erkunden loszieht, der entdeckt manchmal direkt vor der Haustüre echte Juwelen. Ein solches ist die Tour über das Heldenkreuz und den Klammgrabengrat bis zum Osterfeuerkopf. Diese Wanderung ist eine echte alpine Herausforderung, wie es sie wohl in dieser Form nur einmal gibt.

Vier Gründe für diese Tour

  • Eine alpine Gratwanderung mit einer fordernden Kletterstelle, die auch erfahrene Alpinisten auf die Probe stellen wird.

  • Eine Tour, die es ermöglicht mit vergleichsweise wenig Höhen- und Kilometern einen schwierigen Gipfelgrat zu erreichen.

  • Traumhaft schöne Aussichten vom Heldenkreuz und Osterfeuerkopf

  • Eine von München perfekt zu erreichende Tour, die aufgrund ihrer Kürze selbst als Feierabendrunde an einem Freitagnachmittag noch machbar ist.


Die Tour

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Von München kommend verlassen wir die A95 an der Autobahnausfahrt Eschenlohe, überqueren dann die Loisach und fahren auf der Walchenseestraße ein gutes Stück bergauf. Wenn von links ein Forstweg auf unsere Straße trifft, können wir unser Auto auf einem recht großen Parkplatz abstellen. Fast alle, die hier anhalten, wollen auf den Osterfeuerkopf, doch nur wenige wählen dafür unsere Route, welche ich euch heute vorstellen möchte. Somit sind wir bei unserem Aufstieg schnell alleine.

Aussicht vom Heldenkreuz

Unser Weg führt zunächst über die schon erwähnte Forststraße bergauf und bald vorbei an einer Bank, von der aus wir einen ersten schönen Ausblick übers Loisachtal in Richtung Zugspitze haben. Doch lange verweilen lohnt sich noch nicht, denn im Verlauf unseres Anstieges warten mehrere deutliche spektakulärere Aussichten auf uns. Schon bald geht rechts ein kleiner Pfad ab, an dem uns ein Wegweiser das Heldenkreuz anzeigt. Dieser Vorgipfel des Osterfeuerkopfes liegt lediglich 1,5 Kilometer und 180 Höhenmeter von unserem Startpunkt entfernt und scheint eine offensichtliche Sackgasse darzustellen. Bis hierher ist es eher eine Wanderung, die ob ihrer Kürze und Einfachheit eigentlich nur für Familien mit kleinen Kindern ansprechend ist. Doch das ändert sich nach dem Heldenkreuz schlagartig.

Der Weg, vorher breit und gut Instand gehalten, ist jetzt nur noch ein winziger, nicht markierter Trampelpfad, der teilweise nicht ganz einfach zwischen den hohen Grasbüscheln auszumachen ist. Doch verlaufen ist hier dennoch nicht möglich, denn schon nach den ersten Schritten wird klar, dass wir uns nun auf einen reinrassigem Grat befinden. 700 Meter, 250 Höhenmeter bis zu anderen Ende hören sich klein und unschuldig an, doch spätestens am anfänglichen Steilstück zeigt sich, was wirklich hinter diesen Zahlen steckt. Über einen ebenen fußbreiten Grat queren wir zwei Abgründe, nur um dann eine grasbewachsene Wand zu erklimmen, die so steil ist, dass die Hände fast automatisch zu Hilfe genommen werden. Wer bei diesem Allerersten der drei markanten Steilstücke die Knie schon weich werden spürt, dem muss ich mit aller Deutlichkeit zum Umdrehen raten.

Die erwähnten Kernstellen nehmen von Mal zu Mal in Steilheit, Exponiertheit, Schwierigkeit und Sicherheit des tödlichen Ausganges bei einem Sturz zu. Zeitgleich ist nach Passieren der ersten Kernstelle ein Abbruch wohl nur noch per Helikopterbergung von der Bergwacht denkbar, denn wie schwierig und gefährlich auch die Passagen bergauf sein mögen, bergab halte ich sie ohne Seil und Klettergurt für unverantwortlich. Der Grat gipfelt schließlich in einer ca. 30 Meter hohen Kraxelei, die ich vom Bauchgefühl als UIAA I - II bewerten würde und die mich persönlich sehr an den Gipfelanstieg der Arnplattenspitze erinnert.

Die 2te Kernstelle (Fels unten) und 3te (Felswand oben) in einem Bild

Und apropos Klettergurt und Seil: Wer solches in weiser Voraussicht mitgenommen hat, findet am oberen Ende der drei Kernstücke mit praktisch platzierten Felsbrocken und Bäumen Möglichkeiten zum Standplatzbau vor. Dennoch ist es unabdingbar, zumindest einen in der Gruppe zu haben, der die Steilstücke ohne Sicherung bewältigen kann, lassen sie sich doch von unten denkbar schlecht absichern. Dies alles macht die Gratüberschreitung trotz ihrer Kürze zu einer sehr fordernden Aktion, die wohlüberlegt und nur bei stabil gutem Wetter angegangen werden sollte. Genau wegen dieser Faktoren sowie dem absurd kurzen Zustieg könnte diese Überschreitung aber auch für alpine Familien oder Kleingruppen mit einem schwindelfreien "Berganfänger" versucht werden. Immer vorausgesetzt, dass die erfahrenen Gruppenmitglieder tatsächlich auf einen Kenntnisstand zurückgreifen können, den man eben als Bergführer einer absolut alpinen Tour haben sollte.


Wenn wir nach der dritten Kraxelstelle an eine Felswand geschmiegt, einen fußbreiten ebenen Pfad direkt oberhalb eines hundert Meter tiefen Abgrundes queren, ist es ein Zeichen, dass nun die Schwierigkeiten abnehmen. Wenige Minuten später erreichen wir den Normalweg, dem wir jetzt entspannt bis zum Gipfel des Osterfeurkopfes folgen können.

Von hier aus gibt es noch einmal einen grandiosen Ausblick in alle Richtungen, bevor es wieder bergab geht. Im Vergleich mit dem Aufstieg über den Klammgrabengrat ist die Strecke ins Tal tatsächlich kaum der Rede wert. Allerdings können wir auch hier immer wieder schöne Ausblicke genießen. Wer möchte, kann noch eine kleine Erweiterung durch die Asamklamm mit anfügen. Ob über die Straße oder durch die Klamm, der Parkplatz ist schnell erreicht und damit das Ende einer sehr kurzen, aber umso spektakuläreren Tour. Hier gilt ganz das Motto: klein, aber oho.


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