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Klettersteig-Lehrpfad Gelbe Wand: Die Anfängerfreundliche Route am Tegelberg?

Aktualisiert: 21. Okt. 2023



Direkt parallel zu dem auf dieser Website schon beschriebenen Tegelbergsteig schlängelt sich der Gelbe-Wand-Klettersteig den Tegelberg hinauf und wirb offensiv mit seiner Eigenschaft als Übungsklettersteig. Mit etwa vier Kilometern und 800 Höhenmetern (350 davon im tatsächlichen Steig) ist zumindest ein gewisses Maß an Kondition und alpiner Erfahrung erforderlich, um den Klettersteig zu bewältigen. Mit der Möglichkeit die Abfahrt per Gondel zu bewältigen und dem relativ kurzem Zustieg sind hier aber auch keine gewaltigen Ausdauerleistungen verlangt. Dafür bekommt man dieselben traumhaften Aussichten wie im Tegelbergsteig mit nur einem bruchteil der Exposition. Aber ist die Route jetzt wirklich anfängertauglich? Als Antwort darauf kann ich nur ein klares Jein geben, aber ausführlich will ich diese Frage am Ende des Blogs beantworten.

Eine Berglandschaft mit Steilen Felswänden im Nebel. Gezeigt wird der Gelbe-Wand Klettersteiglehrpfad am Tegelberg im Allgäu der eine beliebte Wanderung in der Nähe des Schloss Neuschwanstein ist.
Der Blick aus dem Tegelbergsteig auf Füssen

Vier Gründe für die Tour

  • Dank Gondelabfahrt und kurzem Zustieg ein idealer alpiner Steig für konditionell schwächer aufgestellte Alpinisten, z.b Kinder

  • Eine – gerade im Vergleich zum Anspruch – hochspektakuläre Tour mit echten Traumblicken

  • Das Seilbrückenelement auf circa halber Höhe des Steiges

  • Eine wirklich hervorragende Beschilderung, über die sich relative Klettersteiganfänger das gesamte notwenige Grundwissen anlesen können

ALG Gelbe-Wand-Steig
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Die Tour

Ausgehend vom Parkplatz an der Talstation der Tegelbergbahn geht es zunächst steil Bergauf. Der Zustieg, wie immer der uninteressanteste Teil an einem Klettersteig, zieht sich hier trotz der geringen Gehzeit von etwa einer Stunde wie Hechtsuppe. Der Weg ist durchgehend zu steil um bequem zu werden, landschaftlich noch kein Highlight und ein gutes Stück asphaltiert. Erst nach ca. einem Drittel des Aufstieges überschreiten wir einen kleinen Gebirgsbach und sind nun zumindest auf einer Geschotterten Bergstraße unterwegs – die deswegen aber nicht minder steil ist. Doch für Klettersteig-Anfänger kann der interessante Teil der Wanderung schon an der Talstation beginnen: Schon hier befindet sich (hinter dem Haus der Sommerrodelbahn) eine Übungsstation mit Typischen Klettersteigelementen und der ersten von zahlreichen Informationstafeln. Genau diese Tafeln sind es die dem Gelbe-Wand-Steig die titulierung als Klettersteiglehrpfad erlauben. Bis zum oberen Treffpunkt mit dem Tegelbergsteig sind diese immer wieder angebracht, und mit etwas Geduld kann man sich hier fast das gesamte notwenige Klettersteig-Grundwissen anlesen. Freileich kann man das nur, wenn man bereits die notwenige Kondition und Erfahrung mit Exposition hat, um auch den gesamten Steig zu bewältigen. Zurück aber zu unserer Route bei der alsbald, nachdem wir rechts ab von der Forststraße ein Bachbett queren, doch interessant wird.

Ein Wanderweg durch eine Waldlandschaft am Tegelberg in Bayern. Im Vordergrund ist eine Frau, die einen Klettersteighelm am Rucksack trägt.
Der Aufstieg in Richtung Klettersteig

Über einen aus Wurzeltreppen bestehenden Pfad schlängeln wir uns jetzt dem Anseilplatz des Klettersteiges entgegen. Immer wieder passieren wir dabei die schon erwähnten Informationstafeln und nun kommt hinter uns auch langsam der Froggensee ins Blickfeld. Nach der dritten Bachquerung der Tour sind es nur noch wenige Serpentinen und wir erreichen den Anseilplatz des Klettersteiges. Direkt im Anschluss treffen wir auch schon auf die Technisch Anspruchsvollste Stelle der Tour. In einer steinschlaggebärdeten Rinne queren wir erneut ein Bachbett, das jetzt aber eher aus einer einzigen Steinplatte besteht. Die ist, genau wegen dem Bach (der unserem Fall in folge mehrerer Regentage relativ viel Wasser führte) stellenweiße rutschig und glatt geschliffen. In meiner Beschreibung des Tegelbergsteiges war mir diese Bachqueren nicht einmal einen Nebensatz wert, für Klettersteiganfänger ist hier aber erst einmal der Spaß vorbei. Die Querung lässt sich sicher schon mit UIAA I bewerten, hat etwas Luft unter den Füßen, kleine Tritte und Griffe im glatten Felsgestein und keinerlei Absicherung oder Hilfe durch Einbauten. Wer mit Wandererfahrung im Bereich T1 – T2+ sich hier zum ersten Mal al an einen Klettersteig der Kategorie A (also T3 auf der Bergwanderskala) wagen möchte, der hat (vermutlich) noch nie eine Kraxelstelle mit ähnlichem Anspruch bewältigt. Dementsprechend muss diese Bachquerung als Filter gesehen werden: Wer sich hier nicht wohl fühlt, der schafft vielleicht noch den Gelbe-Wand-Steig, der bis zum Gipfel keine andere Einzelstelle mit ähnlich hohem Anforderungsprofil enthält, sollte aber den Tegelbergsteig von der Liste der Tagesziele streichen – und je nach stärke des Unwohlseins einen Tourabbruch ernsthaft in Betracht ziehen.

Eine Frau mit Klettersteigset und Steinschlaghelm steht in einer Nebligen Berglandschaft und betrachtet den Gelbe-Wand Klettersteig-Lehrpfad, der vor ihr beginnt. Dieser ist eine beliebte Wanderung in der nähe von Schloss Neuschwanstein
Der Anseilplatz für den Klettersteig. Mittig im Bild: Die beschriebene Felsplatte.

Direkt im Anschluss beginnt das erste Highlight-Stück des Klettersteigs. Perfekt mit Stahlseilen versichert geht es jetzt über eine Abfolge von Steinwänden bis zum Abzweig des Tegelbergsteiges. Immer wieder sollten wir uns dabei umdrehen, um die Traumhafte Aussicht über Allgäu und Lechtal in unserem Rücken zu genießen. Die Schwierigkeiten bleiben dabei gleichbleibend um den Grad A, mit (Abgesehen vom Stahlseil) keinen vorhandenen Hilfen. Die Leiter welche den Einstig in den schwierigeren Tegelbergsteig darstellt lassen wir dabei links liegen und folgen weiter dem Gelben-Wand-Steig, der als Entschädigung mit einer spektakulären Übungsstelle auf uns Wartet. Die Seilbrücke (B) muss zwar nicht begangen werden, ist aber eine der Chancen auf dem Weg nach oben auch mal etwas Luft unter die Füße zu bekommen. Anschließend geht es in gleichbleibender Schwierigkeit direkt unter den Tragseilen der Tegelbergbahn weiter. Links und rechts werden wir jetzt von Felswänden flankiert, die den Blick Einschränken aber auch Automatisch in Richtung Hohenschwangau und Alpsee fokussieren. Dabei haben die versicherten Abschnitte alle einen ähnlichen Character mit steilen Felsplatten, die durch Nutzung der Stahlseile einfach begangen werden können. Je näher wir aber dem Ziel der Bergstation kommen, umso weniger Wegabschnitte sind Anspruchsvoll genug um eine Absicherung überhaupt notwendig zu machen. Trifft von links der Tegelbergsteig auf unseren Weg, dann wird es Zeit die Ausrüstung wieder abzulegen, es folgt nur noch eine kurze entspannte Wanderung auf progressive immer breiter werdenden Wegen bis die Gondel erreicht ist.

Nun also wieder zur Frage des Einsteigerfreundlichkeit: Insgesamt ist der Gelbe-Wand-Steig für jeden mit schon bestehender Alpinerfahrung, der notwendigen Kondition und der richtigen Ausrüstung zu bewältigen, selbst wenn es der erste Klettersteig des eigenen Lebens ist. Dabei muss die hervorragende Beschilderung ebenso als ein großes Plus für Anfänge gesehen werden, auch wenn ich wie schon in meinem Blog über den Tegelbergsteig bezweifeln möchte, ob gerade diese Zielgruppe wirklich bereit ist sich durch mehrere Wände aus Text zu wühlen. Als Argument gegen die Einsteigerfreundlichkeit muss die etwas anspruchsvolle Bachquerung zu Beginn, sowie die vollkommen fehlende Option zum Notausstieg gelten. Ebenso vermittelt der Gelbe-Wand-Steig nur einen Eindruck der Klettersteig-Skala A. Wer hier seinen ersten Steig begeht und gleich im Anschluss einen B-Klettersteig probieren will (zum Beispiel den direkt daneben liegenden Tegelbergsteig oder noch schlimmer den Fingersteig), weil es ja so gut funktioniert hat, der könnte beim Sprung in der Schwierigkeit ein böses Erwachen erleben. Um der Funktion als Klettersteig-Lehrpfad komplett gerecht zu werden, müssten neben der Seilbrücke noch weitere Varianten in höheren Schwierigkeiten eingebaut werden, um hier einen breiten Eindruck der Disziplin zu vermitteln. Die Möglichkeiten dafür wären im Felsgelände um den Steig auf jeden Fall gegeben. Genau aus diesen Gründen würde ich Tatsächlichen Klettersteig-Anfängern auch eher zu Übungsklettersteigen wie dem auf meiner Website Beschriebenen Todnauer Steig raten. Diese vermitteln eine deutlich besseren Überblick der möglichen Herausforderungen und sind deutlich variabler in der Routenwahl. Der Gelbe-Wand-Steig kann dann, nach vorheriger Übung gut als erster „echt Alpiner“ Klettersteig herhalten.

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