Suche

Das Van-Life Tagebuch Teil 2: Was ich gelernt habe.

Aktualisiert: 31. Mai

Mittlerweile habe ich ein Jahr mit meinem „Kleinwagen“, wie ich den Van manchmal liebevoll nenne verbracht. Und in diesem einen Jahr habe ich viel gelernt, über das so idealisierte Van-Live, dass ich mich entschieden habe, einmal die Fünf wichtigsten Erfahrungen für euch zusammenzuschreiben. Ich will niemanden davon abhalten sich einen Van zu kaufen, bin im Gegenteil davon überzeugt, dass ein Van noch immer eine wunderbare Methode des Urlaubs ist. Jedoch habe ich das Gefühl, dass die Realität in zahlreichen Youtube-Videos und Insta-Bios zu dem Thema romantisch verklärt wird, und jeder wissen sollte, worauf er sich einlässt. Hier möchte ich euch also fünf Dinge mitgeben, die ich gelernt habe:


1.: Stuff Breaks all the Time

Van Life Tegelberg Klettersteig
Der Van am Tegelberg

Es ist beängstigend, wie schnell und wie viel an einem Auto kaputt gehen kann, dass man Täglich benutzt. Dies betrifft natürlich nicht nur den Mobil-Teil des Wohnmobils, sondern auch die Einrichtung. Wenige Wochen nach dem ich den Wohnbereich fertig hatte begannen z.b Teile der Deckenverkleidung nach unten zu hängen. Die Lösung so einfach wie unprofessionell: Ein Stück Holz, verkeilt im Überdach der Fahrerkabine hält jetzt mein Dach zusammen. Ebenso hatte ich Probleme mit der Befestigung meines Ventilators. Ursprünglich aus Müllholz, beim Zuschnitt der Innenverkleidung übriggeblieben, begannen diese Halterungen sich zu verformen. Im großen Teil wahrscheinlich durch die Hitze, die sich an warmen Tagen im Ventilatorbereich staut. Das alte Müllholz wurde von mir an einem Nachmittag ersetzt durch neues, aber diese Mal solideres Müllholz. Bis jetzt hat es gehalten. Ebenso hatte ich ein Problem mit meiner Vorhangstange, mit der ich nachts die Fahrerkabine abtrennen kann. Mitten in Italien war die, bedingt durch ein kleines Missgeschick plötzlich nicht mehr lang genug, um wie zuvor in der Verstrebung des Autos zu ruhen. Zum Glück spendete mir jedoch ein nahe gelegener Baum ein Stück Ast, gerade lang genug um meine Vorhangstange wieder auf die richtige Länge zu bringen.


Und das Beste daran ist: Weil das Stücken Ast komplett vom Metalaufbau des Autos aufgenommen wird, sieht die ganze Konstruktion noch immer aus, als hätte ich gewusst was ich hier tue.


Zwischendrin brannte dann auch noch die Hauptsicherung meines Campingstromanschlusses durch (Vermutlich wegen Herstellungsmängeln, so zumindest lassen mich die Amazon-Reviews des Produktes vermuten) und musste ersetzt werden.


Wer also ein Van kauft, der sollte darauf vorbereitet sein, kleinere Reparaturen im Haushalt auf sehr regelmäßiger Basis durchzuführen. Und das im ungünstigsten Falle auf einem Parkplatz in Italien, ohne Werkzeug und mit einer langen Radtour in den Beinen. Ich muss aber sagen, dass diese Reparaturen noch die Angenehmen sind. Denn nicht alles lässt sich selbst lösen. Und dann wird es schnell teuer.


2.: Stuff gets expensive really quickly

Van Life Vinschgau Espresso Kitchen Self-Built
Herd ist, an, Espressokocher läuft die Berge in Hintergrund. Schöner kann es nicht sein?

In einem Jahr hat mein Auto eine ganze Reihe von Reparaturen und Ausrüstung benötigt: Neue Koppelstangen, Neue Bremsscheiben, Neue Bremsbeläge, Regeneration des Partikelfilters, diverse Glühbirnen für die Beleuchtung, zwei neue Winterreifen und ein neuer Sommerreifen. Dazu kommen noch Zubehörkäufe wie Fahrradträger und Dachträger. Solche Dinge werden sehr schnell sehr teuer. Zusammen mit Versicherung und Steuern habe ich in einem Jahr gut und gerne dreitausend Euro in ein erst einmal sehr bodenlos erscheinendes Fass geworfen. Meine Hoffnung ist zwar, dass sich diese Summen im Nächsten Jahr reduzieren – immerhin braucht man nicht jedes Jahr neue Reifen und einen neuen Fahrradträger, zusammen mit den Kosten für Benzin, die ich bei meiner recht ausufernden Fahrerei gesammelt habe hätte ich mir vielleicht auch eine schöne Einzimmerwohnung für ähnlich Beträge mieten können. Doch selbst diese Kosten verblassen, wenn ich mir überlege, dass ich am liebsten den ganzen Innenraum neu bauen würde.


3.: I want to rebuild the entire interior

Van Life Selfbuilt Campervan Ford Transit Campervan
Das Chaos der ersten Bauphase. Will ich das noch einmal?

Nicht, dass wir uns missverstehen: Ich finde den Innenraum meines Campers ziemlich gut. Nur leider gibt es einige Dinge, die ich gerne ändern würde. Zum Beispiel würde ich gerne die Beifahrersitzbank durch einen einzelnen, drehbaren Sitz tauschen. Dann würde ich gerne die Küche von der Fahrerseite auf die Beifahrerseite verlegen, die Schränke unter dem Bett erweitern einen drehbaren Fahrersitz und einen von der Fahrerkabine aus benutzbarem Tisch einbauen. Dann würde ich noch gerne die Verkleidung meiner Isolation im Schlafbereich durch Filz ersetzen und die Fahrzeugwand im Schlafbereich durch Installation eines Pods so weit nach außen wölben, dass sich der Fußraum im Bett um ca. 10 Zentimeter verlängert. Diese Arbeiten würden natürlich auch dazu führen, dass ich große Teile der Isolation überarbeiten müsste. Und zu guter Letzt würde ich dann noch gerne meine LED-Lampen durch schönere Austauschen.


Das Verrückte daran ist, dass kein einziger dieser Umbauten streng genommen notwendig ist. Das Auto funktioniert in seiner aktuellen Form sehr gut. Was würde sich also bei einem Entsprechenden, sicher sehr teurem Umbau verändern? Eigentlich nichts, außer das Wohnen im Van ein kleines bisschen angenehmer wird. Gerade wer zum ersten Mal einen Van selbst ausbaut, der sollte sich darauf vorbereiten, dass er eher ein unendliches Projekt beginnt, denn einen Einmaligen umbau. Denn während man seinen Van dann wirklich zu benutzen beginnt werden all die Kleinigkeiten offensichtlich, die man gerne ändern würde. Und apropos Kleinigkeiten: Last uns mal über die Leiter zum Dach reden.


4.: Putting things on the roof sucks.

Auf meinem Dach habe ich in der Regel eine Dachbox, für Equipment, dass ich nicht so häufig brauche und manchmal Kajaks. Beim Ausbau des Autos habe ich mich bewusst gegen eine fest-Installierte Leiter entscheiden. So eine Leiter kann gut und gerne mehrere Hundert Euro kosten, aber eine zusammenklappbare Sprossenleiter kostet nur 30€ bei Amazon. Ich sage es gleich: Ich benutze diese Leiter sehr sehr selten. Denn in der Zeit die ich brauche für Leiter aus dem Auto herausholen und ausfahren bin ich meistens schon aufs Dach geklettert, habe in der Dachbox gefunden was ich suchte und bin wieder am Boden. Nur benutze ich dafür nicht etwa eine festinstallierte Leiter, die ich mir irgendwann doch noch gekauft habe, sondern einfach einen meiner Einbauschänke als Trittleiter. Das bringt dann zwar etwas Dreck ins Auto aber es ist schneller. Und der Dreck ist dann auch gleich mein letzter Punkt:


5.: Keeping things clean is a constant battle

Ich gehe Wandern, fahre Kajak und Mountainbike oft bei jedem Wind und Wetter das Auto unter diesen Umständen sauber zu halten ist mehr als nur aufwändig. Es ist eine nicht enden wollende Sisyphusarbeit. Eigentlich täglich kann man das Auto ausfegen, dazu kommt die Außenreinigung. Dank Zahlreicher Aufbauten kommt eine Waschanlage nicht in Frage. Stattdessen bleibt nur der Kärcher. Eine mühselige und zeitaufwändige Arbeit. Genauso wie Abstauben und Putzen, mit vielen kleinen Ritzen die man gar nicht so wirklich Putzen kann. Wer also ein Van hat, und auch benutzt, der putzt.


So viel zu meinen Erfahrungen aus einem Jahr Van-Live. Nichtsdestotrotz glaube ich immer noch, dass ein solches Auto sehr nützlich ist und sein kann. Und mit meinen Jetzigen Erfahrungen hoffe ich das Leben im Van für mich in den nächsten Jahren noch angenehmer zu machen.

71 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
IMG_20200712_113852.jpg
IMG-20201210-WA0013.jpg