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Zum Sonnenuntergang Auf Den Jochberg

Aktualisiert: Mai 25



BVA Jochberg
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Mein Verhältnis mit dem Jochberg war in der Vergangenheit kein einfaches. Als kleiner Junge war ich am Wochenende oft mit meiner Großmutter in den Bergen unterwegs und entdeckte so die Liebe fürs Wandern und die bayerischen Alpen. Und es war nur natürlich, dass wir uns auch irgendwann einmal am Jochberg versuchen würden. Nun, die Versuche waren nicht von Glück geprägt: Bei unserem ersten Anlauf gerieten wir in sintflutartigen Regen und brachen auf halber Höhe ab. Bei unserem Zweiten vergaßen wir schlicht und einfach meine Wandersocken zu Hause, und damit ich mir keine Blasen lief, ging es stattdessen mit der Gondel auf den Herzogstand. Erst beim dritten Anlauf hatten wir Erfolg und erreichten den Gipfel.

Der Gipfel kurz vor Sonnenuntergang

Danach verschwand der Jochberg größtenteils von meinem Radar, es gab größere und wildere Berge zu bezwingen. Vor allem aber wandte ich mich Gipfeln zu, bei denen nicht schon der bloße Name ein Synonym für den alltäglichen Massentourismus des Münchner Umlandes darstellte. Und mit der Zeit entwickelte sich das Duo von Jochberg und Herzogstand in meinem Kopf zum sprichwörtlichen Sinnbild der überlaufenen und genau deswegen auch uninteressanten Berge.


Zumindest bis vor wenigen Tagen. Denn da hatte ich mir den Jochberg doch noch einmal als Ziel auserkoren. Und neben einer Methode der Masse an wanderwütigen Münchner (der ich ja auch angehöre)zu entgehen, konnte ich zudem die Schönheit dieser Tour neu entdecken. Und so kommen wir nun zu meinem geheimen Rezept zu einem schönen Ausflug auf den Jochberg.


Unsere Wanderung auf den Jochberg beginnt an einem klaren Wintertag und an einem Freitagnachmittag. Unser Ziel ist es, mit dem Sonnenuntergang am Berggipfel anzukommen. Unser, denn neben mir ist noch mein Freund Thomas mit dabei, der aufgrund seiner Arbeit auch gar nicht früher starten konnte. Aus München raus galt es jedoch erst mal den Stau des einsetzendes Berufsverkehrs zu Bewältigen.

Der Ausblick während des Aufstieges

Dennoch erreichten wir den Parkplatz am Kesselberg etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Da schnallten wir uns die Grödel an die Füße und starteten die Tour. Vom Parkplatz hinter dem Kesselberg geht es zunächst kurz bergauf, bis wir einen zweiten Autoparkplatz nahe der Passhöhe passieren. Auf welchen der beiden man hält, ist übrigens egal, denn was zu Beginn an Höhenmetern mit dem höheren Platz gespart wird, kommt dafür am Ende der Wanderung oben drauf. Direkt nach dem Parkplatz gibt es rechts eine kleine Treppe, an der Jochberg und Jochener Alm bereits ausgeschildert sind.

Der Gipfel des Guffert im Abendlicht

Ab jetzt gilt es nur noch dem Weg durch die verschneite Berglandschaft zu folgen. Und der ist auch im Winter so häufig begangen, dass der Pfad durch den Schnee über die ganze Strecke gut gespurt und gut erkennbar ist. Der Weg ist recht steil, aber immer schön zu gehen und so kommen wir schnell voran. Und auch wenn wir mir unserem Ziel, den Berggipfel zum Sonnenuntergang zu erreichen, ein fixes Zeitlimit haben, lohnt es sich doch hin und mal wieder stehen zu bleiben. Denn wenn wir den Blick hinter uns schweifen lassen, können wir einiges entdecken. Immer wieder ist der schneegrau schimmernde Walchensee durch die Bäume zu erkennen. Und die niedrig stehende Sonne zaubert bereits jetzt ein sehr fotogenes Farbenspiel an die Hänge des Herzogstandes.


Auf ca. 1250 Metern erreichen wir die erste Abzweige der Wanderung, an welcher wir uns nach rechts wenden. Von hier aus wird der Weg noch einmal ein kleines Stückchen steiler, und gelegentlich schaut auch etwas Eis unter der Schneedecke hervor. Dennoch kommen wir weiterhin gut voran, und schon bald stehen wir nach einer Linkskurve im Pfad vor der nächsten Weggabelung.

Trotz vieler Wolken konnten wir immer wieder schöne Bilder machen

Diese mal wählen wir jedoch den Linken der beiden Wege und gelangen so auf den "Jochberg Panoramaweg". Ab jetzt lohnt es sich immer, den linkesten Pfad nahe der Abbruchkante zu nehmen. Denn hier gibt es eine Vielzahl von kleinen Aussichtspunkten, von denen aus wir traumhafte Blicke in Richtung Kochel und bayerisches Voralpenland genießen können. Jedoch nicht im Falle unserer Wanderung, denn bei der lag auf etwa Höhe des Kesselberges eine dichte Wolkendecke. Doch die Fotos sind deswegen nicht weniger spektakulär gewesen.


Jedoch gilt es hier nicht zu viel Zeit zu vertrödeln, denn je niedriger die Sonne sinkt, desto weiter schrumpft der Zeitraum, in dem wir den Gipfel erreichen können. Und die wirklich schönen Ausblicke kommen erst noch. Sobald wir nämlich durch einen Weidezaun auf die Almwiese hinaustreten, haben wir einen traumhaften Weitblick über den Walchensee, die Voralpen und zum Wetterstein und Karwendel. Jetzt rückt auch der Gipfel des Jochberges ins Blickfeld und tatsächlich erreichen wir ihn nur wenig später. Und in unserem Fall waren es wenige Minuten vor dem Sonnenuntergang.

Kurz vor dem Gipfel

Hier können wir gut pausieren und den traumhaften Ausblick in alle Richtungen genießen, für den der Jochberg nicht umsonst berühmt ist. Doch sollte man dennoch eine gewisse Vorsicht walten lassen. Bei unserem Start am Walchensee hatten wir bereits -6° C gemessen. Bei einer üblichen Rechnung von einem zusätzlichen Minusgrad pro 100 Höhenmeter können wir für den Gipfel schon -13° C annehmen. Dazu kommt Windchill und ein nach Sonnenuntergang meist recht plötzlicher Temperatursturz. So erreichen wir schnell gefühlte Temperaturen um die -20° C und somit einen Temperaturbereich, der absolute Vorsicht erfordert. Beginnende Erfrierungen an exponierten Körperteilen können in wenigen Minuten auftreten. Und noch gefährlicher wird es, wenn wir uns z.b aufgrund eines Unfalls nicht mehr bewegen können.


Aus diesem Grund gilt es solche Touren gut geplant, mit einem Übermaß an warmer Kleidung im Rucksack und ausreichend Reserven zu starten. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehörte in unserem Fall auch der Abstieg. Anstatt im Licht unserer Stirnlampen denselben schmalen und steilen Pfad in Richtung Kesselberg zu laufen, hatten wir uns bewusst zur Route über die Jocheralm entschieden. Hier führt ein breite, gut gangbare Forststraße ins Tal. Wir haben zwar immer wieder über kleinere Wege abgekürzt, hätten aber auch ausschließlich diese Straße nehmen können, sofern wir uns dem im Dunkeln auf den Pfaden nicht mehr sicher gefühlt hätten.

Impressionen vom Nächtlichem Abstieg

Immer mehr konnten wir durch den Wald die Lichter der Häuser am Walchensee erkennen und zwischen den Baumwipfeln begannen die ersten Sterne zu funkeln. Ihr Glitzern wurde nur noch von dem des Schnees im Lichtkegel der Stirnlampen übertroffen. Und so ging es für uns bergab, durch den nächtlichen Märchenwald bis zum Ufer des Walchensees. Ab hier war es nur ein kurzes Stück entlang der Seestraße, bis wir schlussendlich unseren Parkplatz und unser Auto erreicht hatten. Und durch die Nacht fuhren wir zurück nach München.

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